DSGVO in der Webentwicklung

Praxis-Guide für rechtssichere Websites. So setzt du DSGVO einfach um: Rechtsgrundlagen, Cookies/Consent, Verträge, Datenübermittlungen & Checkliste. Mit Beispielen und Tabelle.

Warum dich das Thema angeht

Sobald du Kontaktformulare, Tracking, eingebettete Medien, Newsletter oder Shop-Funktionen nutzt, verarbeitest du personenbezogene Daten. Damit gelten DSGVO-Pflichten: Rechtsgrundlage, Transparenz, Sicherheit, Verträge mit Dienstleistern und ggf. besondere Regeln für Cookies/Tracker. Wer das sauber umsetzt, reduziert Abmahn-Risiken, steigert Vertrauen – und schafft eine stabile Basis für Marketing & Wachstum.

Hintergrund

Die wichtigsten DSGVO-Bausteine

Rollen klären:

Verantwortlicher (Controller): Du entscheidest Zwecke und Mittel der Verarbeitung.

 

Auftragsverarbeiter (Processor):

Dienstleister, die in deinem Auftrag Daten verarbeiten (z. B. Hosting, E-Mail-Versand). Mit ihnen brauchst du einen Vertrag nach Art. 28 DSGVO (u. a. Weisungsbindung, TOMs, Löschung, Audit-Rechte). 

 

Rechtsgrundlagen (Art. 6 DSGVO):

Typisch sind Vertragserfüllung (z. B. Bestellung), Einwilligung (z. B. Newsletter, nicht notwendige Cookies) und berechtigte Interessen (z. B. Server-Logs mit IP-Kürzung).

 

Verzeichnis & Risiko-Check:

Verzeichnis von Verarbeitungstätigkeiten (Art. 30): Was, warum, wie lange, mit wem? Pflicht für praktisch alle Unternehmen. 

 

DSFA/DPIA (Art. 35):

Datenschutz-Folgenabschätzung bei hohem Risiko (z. B. umfangreiches Tracking, besondere Kategorien). 

 

Betroffenenrechte & Transparenz:

Recht auf Auskunft, Löschung, Widerspruch etc.; klar verständliche Datenschutzerklärung mit allen Tools, Empfängern, Zwecken, Rechtsgrundlagen und Speicherdauern.

 

Technische & organisatorische Maßnahmen (TOMs):

TLS/HTTPS, Rollen-/Rechtekonzept, Pseudonymisierung, Protokollierung, Updates/Backups, Aufbewahrungs- & Löschkonzept.

Cookies & Consent: Was gilt wirklich?

Für Speichern/Lesen auf Endgeräten (z. B. Cookies, LocalStorage) brauchst du in Deutschland grundsätzlich vorherige Einwilligung, wenn es nicht unbedingt erforderlich ist (z. B. für Warenkorb-Funktion). Das regelt § 25 TDDDG (früher TTDSG). 
Wichtig: „Weiter-Scrollen = Zustimmung“ ist keine gültige Einwilligung. Ein Consent braucht eine klare, aktive Handlung (z. B. Button). 

Praxis-Tipp: Setze einen CMP mit sauberer Voreinstellung (alles aus bis Zustimmungs-Klick), granularen Zwecken, Protokollierung und jederzeit widerrufbarer Einwilligung.



Internationale Datentransfers (USA & Co.)

Übermittelst du Daten in Drittländer, brauchst du eine Rechtsgrundlage nach Kapitel V DSGVO. Optionen:

  • Angemessenheitsbeschluss (z. B. EU-US Data Privacy Framework – für zertifizierte US-Unternehmen). 

  • Standardvertragsklauseln (SCCs) + ggf. zusätzliche Maßnahmen laut EDPB-Empfehlungen (Verschlüsselung, Minimierung, Prüfungen). 

(Stand: Der DPF wurde 2023 beschlossen und 2025 gerichtlich bestätigt; Rechtsmittel sind möglich – also Transfers regelmäßig prüfen.) 

Beispiele aus dem Alltag – so setzt du’s richtig um

Use Case Rechtsgrundlage + Tools Must-Haves
Kontaktformular Vertrag/ vorvertragliche Massnahmen (Art. 6 (1)(b)); optional berecht. Interesse (Logs/Spam-Schutz) SSL, Felder-Minimierung, Speicherdauer definieren, AV-Vertrag mit Mail-/Hosting-Provider, Hinweis in Datenschutzerklaerung
Newsletter Einwilligung (Double-Opt-In) DOI-Protokoll, Abmeldelink, Listen-Hygiene, AV-Vertrag mit Versanddienst, Zweckbindung
Analytics Einwilligung, vorher kein Laden nicht notwendiger Cookies IP-Kuerzung, Server-Side/Proxy erwaegen, Datenuebermittlung (SCC/DPF) pruefen, Opt-out/Widerruf
Eingebettete Videos (YouTube/Vimeo) i. d. R. Einwilligung (denn Cookies/Tracking) No-Cookie/Privatsphaere-Modi, Consent-Gate (Placeholders), lokale Vorschaubilder
reCAPTCHA + Spam-Schutz oft Einwilligung oder berecht. Interesse + TTDSG/TDDDG § 25 beachten Consent-Loesung oder Alternative (z. B. hCaptcha, Fragen/Time-Based-Checks), Transparenz
Shop-Checkout Vertrag, gesetzliche Pflichten (Steuer/Beleg) DSGVO-konformes Payment, minimal noetige Daten, Aufbewahrungsfristen, Zugriffs-/Rollen
Bewerbungsformular Einwilligung/vertragliche Anbahnung, besondere Kategorien vermeiden HTTPS, Verschluesselung at rest, Loeschfristen (z. B. 6 Monate), gesonderter Zweck


Auftragsverarbeitung (Art. 28 DSGVO) – dein Vertrags-Pflichtenhefter

Schließe AV-Verträge mit Hosting, E-Mail, Newsletter, Analytik, Chat, CRM, CDP, Support-Tools. Prüfe: Unterauftragsverarbeiter, TOMs, Ort der Verarbeitung, Löschkonzept, Audit-Rechte. 



Entwickler-To-dos (TOMs) für eine „privacy-first“ Website

  • Security by Default: HTTPS, HSTS, aktuelle Server/Frameworks, Geheimnisse in Vaults.

  • Datenminimierung: nur nötige Felder, IP-Kürzung, Logs rotieren/anonymisieren.

  • Privacy by Design: Consent-Gate vor Trackern, Lazy-Load externer Inhalte erst nach Zustimmung, Self-Hosting (z. B. Fonts, JS-Libs).

  • Rechenschaft: Events, Consent-Logs, Prozess-Doku (Art. 30), regelmäßige Audits. 



Mini-Checkliste vor dem Go-Live

  • Datenlandkarte/Verzeichnis (Art. 30) gepflegt? 

  • Rechtsgrundlagen je Feature dokumentiert (Formular, Shop, Tracking)? 

  • Consent-Banner korrekt (Opt-in, granular, Widerruf)? 

  • AV-Verträge mit allen Dienstleistern? 

  • Drittlandtransfers geprüft (DPF/SCCs, zusätzliche Maßnahmen)? 

  • DSFA nötig? (z. B. umfangreiches Tracking/Profiling) 

  • Betroffenenrechte & Datenschutzerklärung vollständig und verständlich?

  • Lösch- & Aufbewahrungsfristen technisch umgesetzt?

Kurzes Praxisbeispiel: „Vom Bauchladen zur sauberen Basis“

Du betreibst einen WooCommerce-Shop mit Kontaktformular, GA4, YouTube-Produktvideos und Newsletter.

  1. Dateninventur & Verzeichnis: Formulare, Bestellungen, Versand, Zahlungen, Support, Newsletter, Analytics.

  2. Rechtsgrundlagen je Verarbeitung: Checkout = Vertrag; Newsletter = Einwilligung; Logs = berecht. Interesse.

  3. Consent-Setup: CMP blockt GA4 & YouTube bis Opt-in; Server-Side-Tagging ohne Marketing-IDs vor Einwilligung. 

  4. AV-Verträge: Hoster, Payment-Provider, E-Mail/Newsletter, Analytics. 

  5. Drittländer: Prüfen, ob US-Dienste DPF-zertifiziert sind; sonst SCCs + Zusatzmaßnahmen. 

  6. Transparenz & Löschung: Datenschutzerklärung aktualisieren; Löschfristen im Shop/CRM automatisieren.

Ergebnis: Rechtssichere Basis, weniger Risiko – und ein Consent-Setup, das fair ist und messbar funktioniert.

Häufige Missverständnisse

  • „Analytics immer ohne Einwilligung erlaubt.“ – Nur, wenn unbedingt erforderlich und ohne Endgerätezugriff/Tracking-IDs; praktisch brauchst du meist Consent.

  • „Scroll-Zustimmung reicht.“ – Nein. Aktive, informierte Einwilligung ist Pflicht. 

  • „USA sind wieder komplett unproblematisch.“ – Nur für DPF-zertifizierte Organisationen; sonst SCCs + Prüfung.

Hintergrund

DSGVO Audit To-do-Liste für deine Website

1) Scope & Datenlandkarte

  • Systeme & Datenflüsse erfassen (Website, Shop, CMS, Tag Manager, CRM, Newsletter, Hosting, CDN)

  • Personenbezogene Daten je Feature notieren (Formulare, Checkout, Login, Tracking, Chat, eingebettete Medien)

  • Empfänger/Dienstleister auflisten (inkl. Standort/Land)

  • Datenkategorien, Speicherorte, Speicherdauern festhalten


2) Rechtsgrundlagen je Verarbeitung
  • Pro Verarbeitung Zweck + Rechtsgrundlage (Art. 6 DSGVO) bestimmen

  • „Unbedingt erforderliche“ vs. „einwilligungspflichtige“ Endgerätezugriffe (Cookies/LocalStorage) trennen

  • Berechtigtes Interesse dokumentieren (Interessenabwägung)

  • Double-Opt-In für Newsletter prüfen (Nachweis/Protokoll)


3) Verzeichnis & ggf. DSFA
  • Verzeichnis von Verarbeitungstätigkeiten (Art. 30) aktualisieren

  • Risiko bewerten: braucht es eine DSFA (Art. 35)? Falls ja: durchführen & Maßnahmen beschließen

  • Lösch- & Aufbewahrungskonzept je Datenart dokumentieren


4) Auftragsverarbeitung (Art. 28)
  • AV-Verträge mit allen Prozessoren (Hosting, Mail, Newsletter, Analytics, Chat, Support, CDP/CRM)

  • Unterauftragsverarbeiter, TOMs, Speicherorte, Löschfristen geprüft

  • Kündigungs-/Rückgabe-/Löschregelungen verifizieren


5) Drittlandtransfers
  • Prüfen, ob Empfänger außerhalb EU/EWR (z. B. USA) Daten erhalten

  • Rechtsgrundlage wählen (z. B. EU-US DPF-Zertifizierung oder SCCs + Zusatzmaßnahmen)

  • Dokumentation & regelmäßige Re-Evaluation einplanen


6) Consent & Cookies (TDDDG/TTDSG)
  • Consent Management Platform (CMP) korrekt konfiguriert (Opt-in, granular, Widerruf jederzeit)

  • Tag Manager: Blocken vor Einwilligung (keine Marketing-/Komfort-Skripte ohne Consent)

  • Cookie-Scan: Kategorien, Zwecke, Laufzeiten, Anbieter sauber ausweisen

  • Einbettungen (YouTube, Maps, reCAPTCHA): 2-Klick-Lösung/Placeholders + Consent


7) Transparenz & Nutzerrechte
  • Datenschutzerklärung aktualisiert (Tools, Zwecke, Rechtsgrundlagen, Empfänger, Speicherdauern, Drittlandtransfers)

  • Impressum & Kontaktwege vollständig

  • Prozesse für Betroffenenrechte (Auskunft, Löschung, Widerspruch, Datenübertragbarkeit) definiert

  • Interne SLA/Fristen (i. d. R. 1 Monat) und Verantwortliche festlegen


8) Technische & organisatorische Maßnahmen (TOMs)
  • HTTPS/HSTS aktiv, aktuelle TLS-Konfiguration

  • Rollen-/Rechtemanagement, MFA für Admins, Least-Privilege

  • Updates/Patches (CMS, Plugins, Server), Backups (verschlüsselt, getestet)

  • Protokollierung/Monitoring (Security-Logs, Admin-Aktionen)

  • Datenminimierung: nur notwendige Felder; IP-Kürzung, Log-Retention

  • Content Security Policy (CSP), Subresource Integrity (SRI) für externe Skripte (sofern möglich)


9) Spezialfälle Website/Shop
  • Kontaktformulare: Felder minimieren, Spam-Schutz ohne Tracking oder mit Consent

  • Checkout: nur notwendige Daten, Zahlungs-/Versand-Empfänger dokumentiert, Aufbewahrungsfristen im Shop/ERP

  • Webfonts/JS: wenn möglich selbst hosten

  • Server-Side Tagging/Proxy: datensparsam konfiguriert, keine IDs ohne Einwilligung


10) Incident & Governance
  • Prozess Datenpannen (Erkennung, Bewertung, Meldung Aufsicht/Betroffene, Fristen)

  • Interne Richtlinien/Schulungen (Marketing, Redaktion, IT)

  • Jährlicher Privacy-Audit + Quartals-Consent-Check einplanen

  • Change-Management: neue Tools nur nach Datenschutz-Vorprüfung einführen


11) Go-Live-/Re-Launch-Check (Finale Abnahme)
  • Staging-Scan: keine Tracker ohne Consent, Cookies stimmen, Banner rechtssicher

  • Datenschutzerklärung/Impressum final, Links in Footer sichtbar

  • Sitemaps/Robots.txt ok; keine sensiblen Staging-Reste öffentlich

  • Redirects & Caching prüfen (keine Leaks von personenbezogenen Testdaten)



Bonus: Zuständigkeiten & Artefakte
  • Owner Datenschutz (intern/extern) benannt

  • Ablage: Verzeichnis nach Art. 30, AV-Verträge, Transfer-Doku, DSFA, TOMs-Übersicht, Löschkonzept, Incident-Prozess

  • CMP-Protokolle & DOI-Nachweise versioniert


Fazit

DSGVO-Konformität ist kein Bremsklotz, sondern ein Qualitätsmerkmal. Mit klaren Rollen, dokumentierten Rechtsgrundlagen, sauberem Consent, robusten TOMs und geprüften Transfers baust du Vertrauen auf – und bekommst zugleich eine Mess- und Marketingbasis, die langfristig trägt. Wenn du willst, setzen wir das gemeinsam auf: von Audit & Consent-Setup bis Technik-Umsetzung.

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